"Der Typ scheint so hohl zu sein, dass das Gift keine Synapsen findet, an denen es andocken kann." (Sex, Dogz and Rock n Roll)

B-Moviebewertung





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Name: Die Brut des BösenLand: Deutschland
Originaltitel: Die Brut des BösenJahr: 1979FSK: 16
Genre: Action


hochniedrig
Unterhaltungswert:
Pornofaktor:
Gewaltdarstellung:
Gewaltverherrlichung:
Niveau:
Sexismus:
Professionalität:
Realismus:
 
 
 
 
 
 
 
 
 



Handlung:
Ein kleinwüchsiger Bösewicht möchte in Madrid eine Karate-Schule eröffnen, um diese als Deckmantel für seinen Drogenhandel zu nutzen. Dummerweise ist die Karate-Schule von Frank Mertens direkt gegenüber. Und sich selbst einen anderen Ort zu suchen steht für den Bösewicht von Welt ja wohl außer Frage. Nach einem ersren freundlichen - aber abgelehnten - Angebot an den Helden, diesem einem Umzug seiner Schule in ein anderes Viertel zu bezahlen, werden andere Saiten aufgezogen. Zunächst werden zwei Schläger vorbeigeschickt. Als diese nicht erfolgreich sind, werden noch mehr Schläger vorbeigeschickt, als der Held seinen ermordeten Meister auf dem Friedhof besucht. Dies ist ebenso erfolglos. Nach weiteren nicht wirklich überzeugenden Versuchen schafft man es, dem Helden Heroin unterzuschieben und ihn in Polizeigewahrsam nehmen zu lassen. Als der Held jedoch erfährt, dass eine Konkubine des Bösewichts gezwungen wurde, ihm den Stoff unterzuschieben, wird er richtig sauer und bricht mittels seiner Karatefähigkeiten aus seiner Zelle aus und macht sich auf den Weg zum Bösewicht. Gegen dessen Kämpfer und die militärisch hochgerüstete Polizei wirkt dies wie ein aussichtsloser Kampf, aber als sich dann noch herausstellt, dass der Bösewicht für die Ermordung des alten Meisters des Helden verantwortlich ist, wird alles von der Lust nach Rache in den Hintergrund gedrängt.

Auffällige Fehler (technisch):
Zum Teil ist der Film deutlich überbelichtet.

Auffällige Fehler (inhaltlich-logisch):
Ziemlich unlogisch-unwahrscheinliche Verführungsszene (Frau "vergisst" Schal im Dojo, kommt nach Trainingsschluss im Dojo abends wieder vorbei und bekommt den durchgehend integren Helden innerhalb von Sekunden ins Bett).
Polizei schießt bei Sichtung des aus dem Gefängnis ausgebrochenen und unbewaffneten Helden ohne jegliche Vorwarnung direkt mit Maschinenpistolen auf ihn.
Held wird in einer Kampfszene aus einem Fenster geworfen. In der Außenansicht sieht man ihn aus dem obersten Zimmer des Hauses stürzen. Seltsam nur, dass er vor Beginn des Kampfes das Zimmer über eine Treppe nach unten betreten hat.
Der Bösewicht sendet zwei Leute, um den Karatelehrer Frank Mertens zu überzeugen sein Dojo zu schließen. Dabei nennt er seinen beiden Schlägern keine Details (Name, zu erwartende Gegenwehr, Adresse, ...).
Bösewicht lädt Helden ein, das weitere Vorgehen in seinem Büro zu besprechen, dieser sagt zu. Dabei wird zwar "Wann und wo?" gefragt, aber die Antwort "bei mir zuhause" liefert eigentlich keine Aussage zu diesen Fragen.
Helfer des Bösewichts "jagt" den Helden mit seinem Auto in eine Gasse. So langsam, als würde es in Zeitlupe geschehen. Und der Held springt dennoch nicht auf die Motorhaube, sondern lässt sich zwischen Auto und Hauswand einklemmen.
Bösewicht spielt Klavier. Als er aufhört seine Finger zu bewegen, stoppt jedoch die Musik nicht.

Auffällige Fehler ("wissenschaftlich", z.B.: historisch, physikalisch, usw.):
Dem Publikum ist nichts aufgefallen.

Was für ein Bild vermittelt der Film?
Das Motiv der Rache wird immer wieder aufgegriffen. Dabei wird insbesondere darauf verwiesen, dass Gewalt keine Probleme löst und auf Gewalt verzichtet werden sollte. Dieses Bild bleibt aber rein deklarativ und wird von der eigentlichen Handlung konterkariert, so dass es nicht überzeugen kann.

Bemerkungen:
Der österreichische Schlagersänger Christian Anders ist in diesem Film Hauptdarsteller und Regisseur in Personalunion.
Das Intro ist ein asiatisch anmutendes Standbild, zu dem minutenlang ein englisches Lied läuft.
Polizei prüft, ob das gefundene weiße Pulver Heroin ist, indem die Tüte aufgerissen und das Pulver via Geschmacksprüfung eruiert wird.
Krasses Overacting bei einer Sterbeszene.
Als der Held beschließt aus seiner Zelle im Polizeirevier auszubrechen ist dies mittels Karate problemlos möglich.
Held reißt sich den Pulli an einem dornigen Busch auf. Als Reaktion reißt er sich den Pulli ganz vom Körper und läuft oberkörperfrei weiter.
Im Karate-Business sind Schusswaffen generell verpönt...
Handlungsstränge werden zum Teil nicht mehr aufgegriffen (der Miteigentümer des Dojos des Helden wird z.B. verprügelt und ihm dann eine Dosis Heroin injiziert, um ihn zum Junkie zu machen - dies wird im weiteren nicht mehr aufgegriffen).

Zitate:
Weiser alter Karate-Meister: "Die Atmung ist die Antwort auf alle Fragen."
Kleinwüchsiger Mafia-Boss: "Ich werde ihm ein Angebot machen, dass er nicht ablehnen kann."
Nachdem Held auf Liebesgeständnis seiner Assistentin überhaupt nicht eingeht: "Bitte vergib mir die Liebeserklärung!"


Text des News-Eintrags:
Wir beim B-Movie-Projekt sind krude Handlungen ja gewohnt. So finden sich auch in diesem Film nicht unbedingt meisterhafte und großartige Pläne von glorreichen Superschurken. Interessant ist, dass der Film versucht eine europäische "Kopie" klassischer Hong-Kong-Prügelfilme zu sein. Und was das Niveau angeht, so ist er durchaus ebenbürtig (d.h. schlecht). Kampfchoreografien gehen in Ordnung, setzen aber auch keine Maßstäbe. Und die Handlung im Sinne von "Bösewicht will den Helden loswerden (aufgrund nicht wirklich relevanter Drogengeschäfte), dieser wehrt sich und findet später noch heraus, dass der Bösewicht seinen Meister umgebracht hat", kommt einem irgendwie bekannt vor, da sie im Prinzip aus keinen originellen Einfällen, sondern nur aus Versatzstücken besteht.
Wer sich schon immer mal gefragt hat, was sich wohl ergibt, wenn ein Schlagersänger (hier: Christian Anders, bekannt z.B. mit "Es fährt ein Zug nach Nirgendwo") einen Film dreht, in dem er nicht nur Regie führt, sondern auch die Hauptrolle spielt, der findet die Antwort in diesem fragwürdigen Machwerk. Immerhin ist es eine nette - wenngleich etwas verstörende - Idee, im Titelsong von der Nutzlosigkeit der Rache zu singen (dieses Lied läuft auch während der finalen Auseinandersetzung zwischen Held und Bösewicht).